Final-Krimi mit Double-Premiere und Traumbilanz für Islamovic

Hochdramatisch endete am Sonntag die eBundesliga-Saison mit dem Finale im Studio 44. Jubelnde Sturm Graz Spieler mit dem Mann des Finaldurchgangs Ajdin Islamovic, die ihr Glück kaum fassen konnten, sahen sich am Boden liegenden Austrianern mit Vorjahres-Einzelsieger „Juno“ Marcel Holy gegenüber. Die Veilchen hatten lange als die sicheren Meister im Teambewerb presented by Wr. Städtische ausgesehen – und schon die Hände am Meisterteller, ehe den Steirern am Ende doch noch der Lucky Punch gelang. Ajdin Islamovic, der auch den Einzelbewerb presented by Raiffeisen Club am Samstag gewann, ist somit der erste Spieler, der in einer Saison sowohl im Team als auch im Einzel triumphierte. Die ersten Pläne damit waren aber sehr bescheiden: „Als erstes gönne ich mir jetzt eine Tafel Schokolade“, lachte er beim Siegerinterview am Ende der gelungenen Übertragungen von LAOLA1 und ORF Sport+ ins Mikro. Um dann ob des satten Preisgelds doch noch ein wenig größer zu denken: „Ein Urlaub auf den Malediven oder so sollte sich schon ausgehen.“ 

Dramatisches Finalturnier live übertragen 

Sturm Graz und die Austria waren nach dem Grunddurchgang im Teambewerb presented by Wr. Städtische punktegleich an der Spitze gelegen. Dieser wurde erstmals parallel zu den realen Bundesligarunden gespielt. Gezockt wurde im 90er Modus – heißt: alle Spieler hatten mit einem Gesamtskill von 90 Topfähigkeiten. Die ersten 6 Teams (Sturm, Austria, WAC, Red Bull Salzburg, Rapid und Admira) qualifizierten sich für das Finalturnier. Die Punkte wurden, wie in der echten Tipico Bundesliga, nun geteilt und das verbliebene halbe Dutzend duellierte sich in fünf Runden, in denen jeder noch einmal auf jeden traf, um die Meisterschaft. Und das im Wiener Studio 44 – eine Rückkehr zu den Wurzeln des Turniers quasi, ging die eBundesliga doch schon in ihren ersten zwei Saisonen hier über die Bühne. Nachdem in jedem Match (bestehend aus drei Partien) bis zu neun Punkte ergattert werden konnten, hatten alle sechs Klubs vor dem Finale noch Titelchancen. Dementsprechend spannend verliefen die Liveübertragungen im TV und Netz, stark moderiert und kommentiert von ORF-Reporter Johannes Kloiber-Karner, Laola1-Fußballexperte Fabian Benterbusch und eSports-Experte Thomas Miklau. Da es dem WAC und Red Bull Salzburg in den direkten Duellen mit Sturm und der Austria aber nicht gelang, Boden auf das Führungsduo gut zu machen – machten sich die Grazer und Wiener schlussendlich den Titel aus. Und das im direkten Duell in der allerletzten Runde! 

Spätes Gutmann-Tor lässt Sturm jubeln 

Dabei lagen alle Trümpfe bei den Violetten. Die vier Punkte Vorsprung bedeuteten, dass der FAK von seinen drei Spielen nur eines gegen den SK Sturm gewinnen musste. Doch Marcel Holy und Armin Kamenjasevic zogen gegen Muhuttin Yösavel (2:4) und Ajdin Islamovic (0:1 in der Livepartie) den Kürzeren. Somit richteten sich alle Augen und Kameras auf das letzte laufende Match zwischen Filip Babic und Philip Gutmann – zwei absolute Größen der österreichischen FIFA eSports Szene. Und Babic, der sowohl im Einzel- als auch im Teambewerb ein überragendes Turnier gespielt und bis dahin 3 von 4 Teammatches gewonnen hatte, lag gegen Gutmann 3:2 vorne. Das hätte den Titel für die Austria bedeutet. Doch der Unentschieden-King des Turniers Gutmann (5 Remis in 5 Teambewerb-Spielen) machte ihm noch einen Strich durch die Rechnung und traf in fast letzter Minute zum 3:3. Babic, der bei dem Turnier immer wieder mit gelungenen Taktik- und Aufstellungsänderungen auffiel, stellte noch einmal um, warf in der Nachspielzeit alles nach vorne, kam tatsächlich noch einmal zu einer Schusschance – doch vergab. Somit hieß der Meister SK Sturm und Islamovic durfte sich neben dem Preisgeld und dem Meisterteller auch über die Auszeichnung der besten Einzelperformance im Finale des Teambewerbs und eine nagelneue PS5, zur Verfügung gestellt und überreicht von Presenting Partner Wr. Städtische, freuen. 

Islamovic-Double mit Ansage 

Überhaupt schrieb Ajdin Islamovic eBundesliga-Geschichte. Denn als erster Spieler gewann er innerhalb einer Saison sowohl den Einzel- als auch den Teambewerb. Ein perfektes Wochenende mit Ansage, hatte er doch in Interviews davor schon mehrfach selbstbewusst betont, dass das „eBundesliga-Double“ sein großes Ziel sei. Großen Worten ließ der Oberösterreicher, der auch im realen Leben ein toller Fußballer ist und für den Landesligisten Admira Linz die Fußballschuhe schnürt, große Taten folgen – schon beim Einzelbewerb presented by Raiffeisen Club am Samstag zeigte er seine große Klasse. Die 64 Finalteilnehmer (je fünf qualifizierten sich über die 12 Klubs, vier durch den Sieg bei den vier neuen Major-Turnieren) traten hier zunächst in 12 Gruppen gegeneinander an, in denen sich jeweils die zwei Besten für den KO-Modus der besten 32 qualifizierten. Hier wurde noch einmal in 5 KO-Partien (Hin- und Rückspiel) der Sieger ermittelt. Islamovic hatte sich zuvor als Gewinner des ersten Majors für das Finale qualifiziert und sich hier schon gegen über 200 Gegner durchgesetzt, trat daher im Finale für die eBundesliga-Allstars an. Dann landete er hier auch noch in der bärenstarken Gruppe L, wo er sich gegen den ebenfalls extrem starken Maximilian Mayrhofer und Ahmet Güler durchsetzen musste. Gespielt wurde im Einzelbewerb im Gegensatz zum Teambewerb im FIFA Ultimate Team-Modus der Bundesliga – heißt, jeder konnte sich sein Wunschteam aus BL-Stars zusammenstellen. Klar, dass Patson Daka praktisch in jedem Team zu finden war. 

Hochklassige Partien, 6 Topbilanzen 

In hochklassigen Partien bewiesen die Teilnehmer ihre Klasse und viel Geduld. Wenige Fehler, kontrollierter Ballbesitz und massiertes Kurzpassspiel über viele Stationen prägten die Endrunde. Umso überraschender, dass Filip Babic im Finale gegen Islamovic durch eine hohe Flanke gefolgt von einem Kopfballtor 1:0 in Führung ging. Im eSports auf diesem Level bei FIFA 21 doch eher selten. Doch Islamovic ließ sich durch diesen unerwarteten Geniestreich nicht aus der Ruhe bringen, drehte wie schon im Halbfinale gegen Vorjahresmeister Marcel Holy und im Viertelfinale gegen Sercan Kara die Partie und setzte sich mit einem Gesamtscore von 4:3 (Hinspiel 1:1, Rückspiel 3:2) auch gegen Babic durch. Das Siegestor fiel dabei aus einem Konter. Babic hatte beim Stand von 2:2 nach einem Eckball seine Hintermannschaft noch nicht sortiert, Islamovic nutzte das beim Siegestor durch Atanga eiskalt aus. 

Wohlgemerkt gegen einen Babic, der in seinen 18 Partien an diesem Finalwochenende keine einzige Niederlage mit mehr als einem Tor Rückstand kassierte (Gesamtbilanz: 12 Siege, 2 Remis, 4 Niederlagen). Ebenfalls hervorzuheben: Die starken Finalleistungen von Maximilian Mayrhofer (10 Siege, 5 Remis, 3 Niederlagen), Benjamin Zidej (6 Siege, 2 Remis, 2 Niederlagen) und Sercan Kara (8 Siege, 4 Remis, 2 Niederlagen). Alles überstrahlt aber von Ajdin Islamovic, der an beiden Finalturniertagen als einziger Spieler ungeschlagen blieb, bei einer unglaublichen Bilanz von 12 Siegen und 5 Remis.  

Raiffeisen Club-Rookies Cup komplettiert ereignisreiches Finalwochenende 

Unglaubliches schaffte auch Yigit Yilmaz bei seinem Sieg beim Raiffeisen Club-Rookies Cup, dem offiziellen Bewerb für 12- bis 16-Jährigen. Im Finale schon 0:3 zurück, glich er noch auf 3:3 aus und gewann in der Verlängerung 4:3. Nicht unerwähnt darf dabei die starke Leistung des Zweitplatzierten Sami Aouas bleiben, der seine Gruppe ebenso souverän gewinnen konnte und nur knapp am großen Erfolg vorbei schrammte. Platz 3 sicherte sich in einem weiteren Duell auf Augenhöhe Samuel Hulak vor Tobias Nell. 

Der Weg bis ins Finale führte für die jungen eSport-Talente über zwei Online-Qualifikationsturniere im Januar und April sowie einen lässigen Event im Sportpark Klagenfurt. Dabei konnten die Gamer ihr Können unter Beweis stellen und einen Startplatz für das große Finale im Studio 44 ergattern. 

Nach der letztjährigen Premiere konnten die Rookies in dieser Saison zum zweiten Mal in die Atmosphäre von Österreichs größtem FIFA-Turnier eintauchen und neben erster Turniererfahrung zahlreiche Preise und Goodies mit nach Hause nehmen. Das Sprungbrett Rookies Cup hat der letztjährige Sieger Eldin Todorovac jedenfalls genutzt, denn der heute 17-Jährige spielt mittlerweile für das eSport-Team von Borussia Dortmund.